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Ausgabe 09/09 |
Lass es sausen!Zwischen Satéspieß, Linsensalat, Schreibblockade und der nächsten Deadline. Typologien zur Literatur (4): Der «Kolumnist» VON PETER LICHT
Der Kolumnist stolpert so vor sich hin. Er torkelt dem
5000sten Zeichen entgegen. Im Stolpern reißt er die Vasen
von der Kommode. Im Fall versucht er, sich zu fangen
und greift in seiner Not in irgendein Dekolleté. Das ist ihm
unangenehm. Die Perlenkette reißt. Das Tischtuch rutscht.
Der Tisch kippt. Auf den Etageren kommen die Erdbeeren
ins Rollen. Die Mousse-au-Chocolat-Wanne wankt. Wie all
die Dinge hat auch er einen unhaltbaren Standpunkt. Er verheddert
sich in sekundengültigen Betrachtungen. Jetzt reiß
Dich zusammen, zischt er sich an.Bring’s auf den Punkt. Lad
es auf mit Energie und lass ... mehr
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Ausgabe 07-08/09 |
Alle Texte werden frei sein
Der Literaturbetrieb ist auf einem Material aufgebaut, das sich selbst zerfrisst.
Und damit alle Kritik
Typologien zur Literatur (3): Das «Papier»
VON PETERLICHT
Das Papier ist ungeduldig. Es strebt seiner Auslöschung
zu. Es zerfällt. Und mit ihm die Zeichen, die man darauf
setzte. Sammeln sich die Jahre in den Blättern, wird die
Sache zunehmend brüchig. Auf merkwürdige Weise verdickt
sich das Papier. Es wird immer trockener. Man meint, man
hielte Esspapier in den Händen. Man beißt probehalber in
die Seiten und merkt, dass tatsächlich kein Saft mehr vorhanden
ist. Vorbei die Zeit der schneeweißen Fläche. Einem
alten Zahn gleich wechselt beim alten Buch die Farbe ins Gilbige.
Dem dazugehörigen Mund ... mehr
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Ausgabe 06/09 |
Ein Vielfraß, leichter als Luft
Gibt es eine Moral oder gar eine Chemie der Lektüre?
Und wie fühlt es sich an, zum Durchlauferhitzer zu werden?
Typologien zur Literatur (2): Der «Leser»
VON PETERLICHT
Der Leser ist ein Tier. Er frisst, was er kriegen kann. Er
haut sich das Zeug rein. Kaut sich durch. Allerdings.
Allerdings nur dann, wenn er es mag. Wenn nicht, dann lässt
er den ungenießbaren Kadaver in der Abendsonne liegen
und schnüffelt weiter durch die unendliche Savanne, bis er
was findet. Der Leser mag kein Gemüse. Egal, wie sehr es ihm
sein Ernährungsberater auch anpries (den hat er sowieso gefressen).
Der Leser fastet nie. Er ist kein Vernunftesser. Er
will das ... mehr
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Ausgabe 05/09 |
Mittlere Wänste in mittleren Jahren
Typologien zur Literatur (1): Der «Schriftsteller»
VON PETERLICHT (SCHRIFTSTELLER)
Der Schriftsteller lebt von seinem Scheitern. Davon legt
er Akten an und führt darüber Buch. Er macht eine
Kultur aus sich.
Die Produktion portioniert er und vertickt sie scheiblettenweise.
Wir entcellophanieren sie und legen uns die
Scheiblette auf die Zunge unserer Neugier. Wir lassen sie
hintenrunterrutschen, wo sie dann ein Eigenleben führt in
unseren Innereien. Oder die Scheiblette zergeht. Oder verlässt
unverdaut das System. Wir wissen es nicht.
Der Schriftsteller legt eine Kultur an. Betrachtet man
ihn als einen Wald, dann ritz ... mehr
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Ausgabe 04/09 |
Dieses Land umschließt dich wie eine Duschhaube
In der Schweiz werden die Menschen durch schiere Langeweile zu Tode gebracht.
Das geht auch den Schweizer Punks und Glatzen nicht anders:
Sie hören Bands wie «Macht und Ehre» und lesen Martin Mosebach.
VON SIBYLLE BERG
«Schneller und härter geht immer» stand auf einem schwarzen
Umhang, den ein junger Mann getragen hatte, zusammen
mit einem Ninja-Schwert in der Tram. Okay,
Ninja-Schwerter sind ein wenig overposing, aber der Spruch
war gut, der war ihm direkt in den Magen gelangt. Richtig,
hatte er gedacht, das ist es, hatte er gedacht, es muss irgendwie
schneller und härter werden. Er wohnte extrem weich
bei seinen Eltern, im Keller, da wollte er hin, weil da waren
wenigstens Gitterstäbe vor dem Fenster ... mehr
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Ausgabe 03/2009 |
Ich möchte nicht, dass Männer für mich denken!
Aber Gott sei Dank tut das auch schon längst keiner mehr:
Die Intellektuellen haben nicht nur nichts mehr zu sagen – sie sind ganz einfach verschwunden
VON SIBYLLE BERG
Folgte man der Definition Sartres, dann analysiert, hinterfragt und kritisiert der Intellektuelle in öffentlichen Auseinandersetzungen und Diskursen gesellschaftliche Vorgänge, um deren Entwicklung zu beeinflussen.Dabei ist der Intellektuelle nicht an einen politischen oder moralischen Standort gebunden.Das führt oft zu Konflikten mit den politischen Machthabern. Deutschland ist frei davon – frei von Intellektuellen – und schwebt unbehelligt ... mehr
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Ausgabe 12/2008 |
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Die neue Zeit, ich will sie umarmen
Veränderungen sind nicht beliebt, aber sie müssen sein.
Ohne Veränderungen hätten wir noch Hexenverbrennungen – und diese
Kolumne wäre mangels Autorin nicht geschrieben worden
VON SIBYLLE BERG
Nicht gerne Abschied zu nehmen, ist nicht originell. Aber
originell sein zu wollen, ist es auch nicht.
Sich von nichts trennen zu wollen, ist genetisch tief
verwurzelt, und jeder, der etwas anderes behauptet, lügt. All
die armseligen Tricks, um ja kein Mensch zu sein. Da gibt
es welche, die in klösterlich kargen Zellen wohnen, freiwillig,
nur weil sie ihr Herz nicht an Besitz hängen möchten, der
verbrennen könnte oder vom Pfandleiher beschlagnahmt
werden. Stets achten sie darauf, dass all ihre ... mehr
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Ausgabe 01-02/2009 |
Make your world a better place
Schluss mit der Faulheit! Zeigt Ehrgeiz! Seid strebsam und fleißig!
Denn wer sich selbst ändert, ändert die Welt
VON SIBYLLE BERG
Ehrgeiziger, disziplinierter Streber sucht Frau», könnte die
Überschrift einer Kontaktanzeige sein, der ein sehr überschaubarer
Erfolg beschieden wäre. Mit etwas zu geizen, hat
den gleichen pathologischen Stellenwert wie Bettnässen,das
macht man schön im Stillen. Laut werden lässt man auf Stehpartys
Positionen wie: Ich bin einer, der das Leben genießt,
ein Schlemmer, Gourmet, ein Seelenbaumler, man muss die
Faulheit feiern und jeden Tag verbringen, als sei es der letzte.
Davon abgesehen, dass die letzte Aussage kompletter Stuss
... mehr
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